Die Tätigkeit eines Dolmetschers

Den Beruf des Dolmetschers gibt es bereits seit dem Altertum. Im Laufe der Jahrhunderte unterlag er jedoch einem grundlegenden Wandel. Auch die Ansprüche an Dolmetscher sind im Laufe der Zeit gestiegen. Nicht umsonst wurde das Dolmetschen von der Weltgesundheitsorganisation vor kurzem als drittstressigster Beruf eingeordnet.

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Was macht ein Dolmetscher?

Kurz gesagt ist Dolmetschen die mündliche Übertragung des gesprochenen Wortes von einer Sprache in eine andere. Das Wort Dolmetschen stammt aus der türkischen Sprache. Ihm liegt das Wort dilmaç, das für einen Vermittler oder Mittelsmann zwischen zwei Parteien, die unterschiedliche Sprachen sprechen, steht, zugrunde. Genau dies tut ein Dolmetscher bis zum heutigen Tage. Dolmetscher sorgen dafür, dass sich Menschen unterschiedlicher Muttersprachen miteinander verständigen können.

Die Unterschiede zwischen Dolmetschern und Übersetzern

Immer wieder wird die Tätigkeiten des Dolmetschers mit denen von Übersetzern verwechselt. Obwohl es zwar einige Gemeinsamkeiten gibt, gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen beiden Berufen: Übersetzer übertragen Texte schriftlich von einer Sprache in die andere. Dolmetscher arbeiten dagegen mündlich und übersetzen das gesprochene Wort von der Ausgangssprache in die Zielsprache.

Das Aufgabenspektrum eines Übersetzers ist sehr vielseitig - es reicht von der Übersetzung von Zeugnissen über Fachtexte jeglicher Art bis hin zu Belletristik. Übersetzer arbeiten dabei mit elektronischen Hilfsmitteln, wie Publishing-Programmen, Translation-Memory-Systemen und Terminologieverwaltungssystemen. Der Dolmetscher wird dagegen bei Zusammenkünften, Kongressen und internationalen Veranstaltungen eingesetzt, bei denen mehrere Sprachen gesprochen werden. Auch der Dolmetscher kann in verschiedenen Fachbereichen tätig sein und greift je nach Art des Dolmetschens auf verschiedene technische Hilfsmittel zurück.

Was beide Berufe gemeinsam haben ist jedoch, dass sowohl Übersetzer als auch Dolmetscher Experten darin sind, eine Sprache in eine andere zu übertragen.

Gibt es einen Unterschied zwischen Dolmetschern und Übersetzern? Und wenn ja: Was ist der Unterschied?" Der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) hat dazu einen kleinen Trickfilm mit Augenzwinkern machen lassen.

Quelle: Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e. V. (BDÜ) ( 2014 ) 

Die Arten des Dolmetschens

Dolmetschen ist der Überbegriff für eine Reihe von verschiedenen Arten des Dolmetschens, die für unterschiedliche Veranstaltungsarten eingesetzt werden.

Als Konferenzdolmetschen wird das Dolmetschen bei Konferenzen, wie zum Beispiel Fachkongressen und internationalen Gipfeln, bezeichnet. Beim Konferenzdolmetschen kommen in der Regel verschiedene Unterarten des Dolmetschens zum Einsatz, wie das Simultandolmetschen, das Konsekutivdolmetschen und das Flüsterdolmetschen, das eine Spielart des Simultandolmetschens ist.

Beim Konsekutivdolmetschen wird zeitversetzt übersetzt. Der Dolmetscher macht sich in der Regel während des Vortrags Notizen und trägt anschließend den übersetzten Text in der Zielsprache vor. Die zielsprachliche Fassung ist normalerweise gestrafft und gut strukturiert. Durch die Konzentration auf die wesentlichen Punkte wird der Zuhörer entlastet, denn durch das Konsekutivdolmetschen wird die Vortragszeit wesentlich verlängert. Das Konsekutivdolmetschen wird vor allem bei feierlichen Anlässen, kulturellen Veranstaltungen oder bilateralen Treffen von Regierungschefs eingesetzt.

Beim unilateralen Konsekutivdolmetschen wird in eine Sprachrichtung gedolmetscht, was meist bei Vorträgen der Fall ist. Beim bilateralen Konsekutivdolmetschen, das auch als Gesprächsdolmetschen bezeichnet wird, übersetzt ein Dolmetscher in beide Sprachrichtungen. Es wird bei der Kommunikation von zwei oder mehreren Gesprächspartnern eingesetzt, wie zum Beispiel bei Interviews oder Verhandlungen.

Das Simultandolmetschen kommt am häufigsten zum Einsatz. Hierbei wird zeitgleich in die Zielsprache übersetzt. Die Dolmetscher befinden sich dabei in einer schalldichten Kabine und hören den Redner über Kopfhörer. Sie übersetzen das Gehörte dann sofort in die Zielsprache. Die Übersetzung wird per Mikrofon übertragen und kann von den Konferenzteilnehmern über Kopfhörer gehört werden. Simultandolmetschen erfordert höchste Konzentration, da die Dolmetscher innerhalb weniger Sekunden eine passende Übersetzung für das Gesprochene finden müssen. Daher arbeiten sie meist in Zweier- oder Dreierteams, die sich alle fünfzehn bis dreißig Minuten abwechseln.

Beim Flüsterdolmetschen, das auch als Chuchotage bezeichnet wird, spricht der Dolmetscher seinem Zuhörer entweder direkt ins Ohr oder übersetzt über eine Personenführungsanlage. Ein großer Vorteil dieser Art des Dolmetschens besteht in der Mobilität von Zuhörer und Dolmetscher. Zu den Nachteilen zählen jedoch, dass Zuhörer und andere Teilnehmer oft durch das Flüsterdolmetschen abgelenkt werden und auch die akustischen Verhältnisse eine zusätzliche Belastung für den Dolmetscher bedeuten. Daher greifen manche Dolmetscher auch auf ein drahtloses Mikrofon, das von bis zu 20 Funkempfängern verstanden werden kann, zurück. Das Flüsterdolmetschen kommt vor allem bei Gerichtsterminen oder Museumsführungen zum Einsatz.

Eine Sonderform des Dolmetschens ist das sogenannte Relais-Dolmetschen. Diese kommt beim Simultandolmetschen zum Einsatz. Hierbei wird aus einer wenig verbreiteten Sprache, wie zum Beispiel Isländisch, in eine Arbeitssprache übersetzt. Dabei handelt es sich meist um Englisch, Französisch oder Spanisch. Die Übersetzung wird nicht nur für die Zuhörer vorgenommen, sondern auch für andere Dolmetscher, die dann wiederum von der Arbeitssprache in ihre jeweilige Zielsprache dolmetschen.

Die Einsatzgebiete eines Dolmetschers

Dolmetscher werden in den unterschiedlichsten Gebieten eingesetzt. Sie sind bei Organisationen und Institutionen, wie zum Beispiel der EU und der UN gefragt. Zudem werden Dolmetscher bei technischen und wissenschaftlichen Kongressen, bei Pressekonferenzen, bei Messen und Geschäftsverhandlungen sowie bei politischen Gesprächen oder Podiumsdiskussionen benötigt. Auch internationale Produktpräsentationen kommen nicht ohne Dolmetscher aus. Zudem greifen oftmals Prominente, die zum Beispiel eine Filmproduktion im Ausland bewerben, auf die Dienste eines Dolmetschers zurück. Aber auch bei Gericht und Behörden werden häufig entsprechend beeidigte Dolmetscher benötigt.

Die meisten Dolmetscher spezialisieren sich auf ein bestimmtes Themengebiet und werden fachspezifisch eingesetzt. Sie sind zum Beispiel in den Bereichen Technik, Wirtschaft, Medien, Medizin und internationaler Rechtsverkehr tätig. Diese Fachgebiete sind enorm wichtig, da nur spezialisierte Dolmetscher den Fachjargon kennen, der zum Beispiel auf medizinischen Kongressen gebraucht wird. Auch juristische Feinheiten können nur von entsprechend geschulten Dolmetschern richtig übersetzt werden.

Nützliche Hilfsmittel beim Dolmetschen

Es gibt mittlerweile viele Hilfsmittel, die die Arbeit eines Dolmetschers leichter machen. Eines der wirkungsvollsten ist die richtige Notiztechnik, die vor allem beim Konsekutivdolmetschen zum Einsatz kommt. Dabei geht es nicht darum, das Gehörte einfach niederzuschreiben. Vielmehr soll der Kern der Aussage als Gedankenstütze kurz und dennoch aussagekräftig zu Papier gebracht werden. Manche Dolmetscher arbeiten sogar mit Symbolen oder Zeichnungen. Ausführlicher werden dagegen Dinge notiert, die der Dolmetscher gedanklich nicht näher analysieren kann. Dazu gehören Zahlen und Eigennamen. Auch müssen die Notizen überschaubar sein. Viele Dolmetscher arbeiten mit einer vertikalen Gliederung, die mit einer stufenförmigen horizontalen Einrückung kombiniert wird. Wesentliche Satzglieder haben hierbei einen festen Platz, zum Beispiel werden Subjekte ganz links notiert, während das dazugehörige Prädikat in die darunterliegende Zeile rechts geschrieben wird. Meisten werden die Notizen gleich in der Zielsprache angefertigt.

Beim Konferenzdolmetschen kommen Dolmetscherkabinen zum Einsatz. Diese müssen schalldicht sein, um den Dolmetscher vor Ablenkungen zu schützen, und so platziert sein, dass der Dolmetscher das Gesprächsgeschehen gut überblicken kann. Auch für ausreichend Lüftung und eine gute Beleuchtung sollte gesorgt sein.

Für die Tonübertragung zwischen Redner, Dolmetscher und Zuhörer ist eine Konferenzanlage notwendig. Diese besteht in der Regel aus Mikrofonpulten und einer Steuereinheit, die es den Sprechern ermöglicht, sich selbständig an- und auszuschalten. An die Steuereinheit können mehrere Mikrofone angeschlossen werden. Über eine sogenannte Personenführungsanlage wird die Übersetzung des Dolmetschers an die Zielperson weitergeleitet. Diese Anlage sorgt dafür, dass die Übersetzung nur zu der gewünschten Stelle gelangt und ansonsten nicht gehört werden kann.

Die Ausbildung zum Dolmetscher

Dolmetscher haben in der Regel ein abgeschlossenes Universitäts- oder Fachhochschulstudium. Außerdem gibt es spezielle Fachakademien und Berufsfachschulen für Dolmetscher. Während der Ausbildung werden die mutter- und fremdsprachlichen Kenntnisse vertieft und die wesentlichen Techniken des Dolmetschens vermittelt. Auch werden kulturwissenschaftliche Aspekte und Zusammenhänge gelehrt. Zusätzlich stehen Atem- und Notationstechniken sowie Hörverstehen und Gedächtnistraining auf dem Stundenplan. In der Branche sind jedoch auch Quereinsteiger über Weiterbildungen mit hervorragenden Fremdsprachenkenntnissen und ausgezeichnetem Fachwissen erfolgreich. 

In der Regel spezialisiert sich der Dolmetscher während der Ausbildung auf ein Fachgebiet, wie zum Beispiel Wirtschaft, Recht oder Umwelt. Zusätzlich hilft es Dolmetschern bei ihrer Arbeit, wenn sie eine gute Allgemeinbildung haben. Dolmetscher benötigen zudem ein ausgeprägtes Auffassungsvermögen und ein profiliertes Sprachgefühl sowie die Fähigkeit, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können. Trotz dieser umfassenden Ausbildung ist es für den Dolmetscher unabdingbar, sich auf jeden Einsatz intensiv vorzubereiten. Dolmetscher sind meist freiberuflich tätig und erarbeiten sich ihren festen Kundenstamm im Laufe der Zeit.

Die Zukunft des Berufes

Im Zuge der Globalisierung sind Dolmetscher so gefragt wie noch nie. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur internationalen Verständigung, denn ohne ihr Expertenwissen und ihre linguistischen Fähigkeiten würde vieles unverstanden bleiben und die Lücke zwischen den Kulturen würde größer werden. Die Tätigkeit eines Dolmetschers ist ohne Zweifel nicht nur interessant, sondern auch abwechslungsreich, faszinierend und zukunftsträchtig.