Die Tätigkeit eines Übersetzers

Die Arbeit von Übersetzern beeinflusst einen großen Teil des Alltags: Bestseller werden meist in einer Übersetzung gelesen, Internetseiten und Bedienungsanleitungen sind mehrsprachig und Verträge und Geschäftskorrespondenz werden immer häufiger in mehreren Sprachen verfasst. Als Folge davon nimmt der Bedarf an Übersetzern stetig zu.

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Das Berufsfeld des Übersetzers

Übersetzer sind Fachleute für die Kommunikation zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen. Sie übersetzen überwiegend schriftliche Texte in andere Sprachen. übertragen dabei nicht nur Wörter, sondern Inhalte und berücksichtigen die kulturspezifischen Merkmale von Ausdrücken und Begriffen. Übersetzer analysieren den vorgelegten Text mit seinem kulturellen Hintergrund sehr genau, berücksichtigen den vorgesehenen Zweck der Übersetzung und arbeiten zielgruppenorientiert für den Auftraggeber. Bei der in einem Übersetzungsbüro müssen Mehrdeutigkeiten, sprachliche Bilder, Assoziationen und die kommunikativen Gepflogenheiten der jeweiligen Sprachen berücksichtigt werden. Viele Übersetzer spezialisieren sich in ihrer Arbeit auf bestimmte Sprachkombinationen und Fachgebiete, wie zum Beispiel Technik, Wirtschaft, Recht oder Medizin. 

Die verschiedenen Übersetzungstypen

Als Interlinearübersetzung wird eine Wort-für-Wort-Übersetzung eines Textes bezeichnet. Dazu wird unter bzw. zwischen den Zeilen des Ausgangstextes die Entsprechung in der Zielsprache angegeben. Die Interlinearübersetzung folgt der Struktur der Ausgangssprache und ist daher häufig grammatikalisch nicht korrekt. Sie dient dem Leser hauptsächlich als Verständnishilfe des Ausgangstextes und um ihm eine Vorstellung von den Strukturen der Ausgangssprache zu vermitteln. Der Zieltext ist bei der Interlinearübersetzung nur zusammen mit dem Ausgangstext verständlich.

Von wörtlichen Übersetzungen wird gesprochen, wenn der ursprüngliche Text Wort für Wort in die Zielsprache übertragen wird. Die Gefahr dabei besteht darin, dass die Bedeutung verdreht oder der Text in manchen Fällen sogar unverständlich wird. Eine wörtliche Übersetzung weicht von der Struktur der Ausgangssprache nur dann ab, wenn die Grammatik und das Stilempfinden der Zielsprache dies erfordern. Der Zieltext ist sprachlich zwar verständlich, nicht jedoch sein Sinn und seine Funktion.

Die philologische Übersetzung dient dazu, Form und Inhalt des Ausgangstextes abzubilden, so dass dem Leser ausgangssprachliche und ausgangskulturelle Denkbewegungen ermöglicht werden. Diese Art der Übersetzung ist meist durch viele Anmerkungen und Fußnoten mit Erklärungen gekennzeichnet. Die philologische Übersetzung ist etwas freier als die wörtliche Übersetzung und wird durch notwendiges Hintergrundwissen ergänzt.

Bei der kommunikativen Übersetzung wird vor allem die inhaltliche Übereinstimmung zwischen dem Ausgangstext und der Übersetzung angestrebt. Der Sinn des Originaltextes soll so deutlich und verständlich wie möglich wiedergegeben werden; auf die formale Entsprechung der beiden Texte wird dagegen kein Wert gelegt. Nicht der Text, sondern die mit dem Text verbundene kommunikative Absicht steht bei dieser Übersetzung im Vordergrund. Der übersetzte Text funktioniert eigenständig in der Zielsprache.

Die bearbeitende Übersetzung bedient sich Erweiterungen, Kürzungen und Vereinfachungen, um den Text für bestimmte Zielgruppen, wie zum Beispiel Kinder oder sprachlich Behinderte, anzupassen. Die bearbeitende Übersetzung wird auch eingesetzt, um Fachliteratur für Laien verständlich zu machen.

Der Übersetzungsprozess

Am Anfang eines jeden Übersetzungsprozesses steht die Interpretation des Übersetzungsauftrages durch den Übersetzer, die oftmals mit Unterstützung des Auftraggebers stattfindet. Anschließend führt der Übersetzer eine Textanalyse durch und untersucht den Ausgangstext auf sprachliche und funktionale Merkmale sowie auf eventuelle Übersetzungsprobleme. Daraufhin wird mit der eigentlichen Übersetzung begonnen. Der Übersetzer arbeitet mit einzelnen Sätzen und Abschnitten und versucht, den Sinn des Ausgangstextes so genau wie möglich in der Zielsprache wiederzugeben ohne dabei den Sinn zu verändern. Zudem übersetzt er so frei wie nötig, so dass ein flüssiger Text entsteht, der eigenständig in der Zielsprache funktioniert. Mithilfe eines Terminologie- bzw. Translation Memory-Tools stellt er sicher, dass spezifische Termini und Phrasen durchgehend im Text verwendet werden. Nach Übersetzung des ganzen Textes wird dieser nochmals auf Rechtschreib- und Grammatikfehler geprüft, zudem wird auf eine flüssige Ausdrucksweise geachtet. Anschließend wird der übersetzte Text Korrektur gelesen.

Häufig auftretende Probleme im Übersetzungsprozess

Probleme im Übersetzungsprozess entstehen häufig nicht aufgrund von fehlendem Fachwissen, sondern aufgrund gewisser Unterschiede zwischen der Ausgangs- und Zielkultur. Sogenannte sprachenpaarbezogene Übersetzungsprobleme bilden sich aufgrund von unterschiedlichen Strukturen der Ausgangs- und Zielsprache. Pragmatische Übersetzungsprobleme ergeben sich aus der Übersetzungssituation. In diesem Zusammenhang wird die Ausgangssituation des Textes mit der Zielsituation, in der der Text funktionieren soll, verglichen. Ein weiteres häufiges Problem im Übersetzungsprozess sind konventionsbedingte Übersetzungsprobleme, die aus dem Unterschied zwischen ausgangs- und zielkulturellen Konventionen und Gepflogenheiten entstehen.

Wichtige Qualitätsstandards im Übersetzungsprozess

Der wichtigste Qualitätsstandard für Übersetzer ist die Norm DIN EN 15038:2006. Sie regelt die Anforderungen an den Übersetzungsdienstleister bezüglich personeller und technischer Ressourcen, legt vertragliche Rahmenbedingungen fest und setzt Standards in Bezug auf Qualitätskontrolle und Projektmanagement. Gemäß dieser Norm muss eine Übersetzungsdienstleistung mindestens das Übersetzen und Korrekturlesen umfassen. Zudem muss der Übersetzer bestimmte Ausbildungsstandards erfüllen.

Die verschiedenen Einsatzgebiete der professionellen Übersetzung

Die Bedeutung von Fachübersetzern

Fachübersetzer übertragen spezialisierte Texte aus den verschiedensten Gebieten, wie zum Beispiel wissenschaftliche Fachartikel, Patentschriften, Werbebroschüren und Betriebsanleitungen. Sie haben sich in der Regel auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert und verfügen über ein umfassendes Sachwissen. Fachübersetzer bilden sich auf ihrem Gebiet ständig weiter, denn jedes Fachgebiet verfügt über 1.000 bis 10.000 hochspezialisierte Fachbegriffe, die vom Fachübersetzer zweisprachig beherrscht werden müssen. Fachübersetzer können sich aufgrund ihrer soliden Fachkenntnisse, ihrer wissenschaftlichen Arbeitsweise und ihrer Recherchekompetenzen in kürzester Zeit in Spezialgebiete einarbeiten.

Die Bedeutung von Terminologieverwaltung / -management

Eines der wichtigsten Hilfsmittel für einen professionellen Übersetzer ist die Terminologieverwaltung. Dabei werden die jeweiligen Fachbegriffe eines Fachgebiets in einem zentralen Datenspeicher erfasst, so dass innerhalb einer Übersetzung immer der korrekte Begriff verwendet wird. Dies ist besonders für brachenspezifische Begriffe und Phrasen wichtig. Zudem verwenden viele Unternehmen spezifische Termini, die korrekt und gleichbleibend übersetzt werden müssen.

Terminologie-Tools werden meist in Verbindung mit einem Übersetzungsspeicher, auch Translation Memory (TM) genannt, eingesetzt. Translation Memory-Tools speichern Textsegmente als Übersetzungseinheiten. Die Kombination beider Tools stellt den konsistenten Gebrauch von Termini in einer Übersetzung sicher. Auf Dauer wird durch das Terminologiemanagement der Rechercheaufwand reduziert und eine hohe Qualität der Übersetzung gewährleistet.

Die Wichtigkeit der Lokalisierung

Mithilfe der Lokalisierung wird ein übersetzter Text dem jeweiligen Zielpublikum angepasst. Jeder Fachbegriff muss für die Zielgruppe adaptiert werden, so dass der übersetzte Text die gleiche Reaktion und das gleiche Verständnis erzielt wie der Originaltext. Hierbei wird Rücksicht auf die wirtschaftlichen, kulturellen und technologischen Unterschiede beider Sprachgruppen genommen. Die Lokalisierung wird meist bei technischen Texten, Marketingtexten und Webseiten eingesetzt.

Beglaubigte Übersetzungen und vereidigte Übersetzer

Die meisten Ämter und Behörden verlangen in der Regel amtlich beglaubigte Übersetzungen, um eine wortgetreue und verbindliche Wiedergabe der Originaldokumente zu gewährleisten. Dazu zählen zum Beispiel Diplome, Geburts- und Heiratsurkunden, medizinische Gutachten und Verträge. Eine Beglaubigung einer Übersetzung ist sozusagen ein Echtheitszertifikat für das übersetzte Dokument. Dabei werden nach der Übersetzung des Textes noch Beglaubigungsvermerk, Beglaubigungsstempel und die Unterschrift des Übersetzers hinzugefügt. Oftmals ist zusätzlich noch die Unterschrift des zuständigen Konsulats bzw. des Präsidenten des zuständigen Gerichts erforderlich. Beglaubigte Übersetzungen dürfen ausschließlich von gerichtlich beeidigten bzw. ermächtigten Übersetzern erstellt werden.

Das Lektorat als Maßnahme zur Qualitätssicherung

Jede Übersetzung, die veröffentlicht werden soll bzw. an den Auftraggeber übermittelt wird, sollte Vorab von einem Lektor überprüft werden. Der übersetzte Text muss sowohl sprachlich auf dem gewünschten Niveau als auch inhaltlich richtig sein. Außerdem wird die richtige Verwendung der Fachtermini geprüft. Falls notwendig, wird der Text in Absprache mit dem Auftraggeber und Übersetzer angepasst und überarbeitet. Der finale Text sollte höchsten Anforderungen genügen.

Hilfs- und Arbeitsmittel des Übersetzers

Der Computer ist ein unverzichtbares Hilfsmittel eines jeden Übersetzers. Er sollte mit einem gängigen Office-Paket ausgestattet sein und über einen hochwertigen Drucker verfügen. Natürlich sind zudem ein Internetanschluss sowie ein Terminologieverwaltungsprogramm unverzichtbar. Doch auch verschiedene Wörterbücher und Lexika sind wichtige Arbeitsmittel für einen Übersetzer. Das Internet hat in den letzten Jahren auch für Übersetzer an Bedeutung gewonnen. Online-Wörterbücher, Begriffserklärungen und fachspezifische Webseiten liefern wichtiges Hintergrundwissen für die Übersetzungsarbeit.

Im Zeitalter der Globalisierung steigt die Nachfrage nach qualifizierten Dolmetschern von Jahr zu Jahr. In Deutschland gibt es derzeit rund 30.000 Übersetzer, doch der Bedarf nach professionellen Übersetzungen nimmt stetig zu. Der Übersetzungsmarkt wächst - je nach Wirtschaftslage - im Durchschnitt jährlich zwischen fünf und zwölf Prozent. Die Chancen und Berufsaussichten für qualifizierte Übersetzer, die sich auf bestimmte Fachgebiete konzentrieren, sind daher sehr gut.